Mittwoch, 15. April 2015

MMM 12/2015 im Gillian Nonwrap Dress aka das Unfotografierbare

Ich gestehe, dass ich mich gern von Nähblogschnitttrends anstecken inspirieren lasse. Nicht immer wird das was, manchmal aber schon.
Das Gillian Wrap Dress von Muse Patterns wurde schon in einigen schönen Varianten gezeigt und ich konnte auch nicht widerstehen.
Mein erstes Modell nach diesem Schnitt ist allerdings kein Wrap Dress sondern ein Nonwrap Dress aus Viscosejersey. Wickeln würde bei desem dünnen, elastischen Stoff einfach keinen Sinn machen....
Ich habe das vordere Rockteil also an der Markierung für die vordere Mitte am Stoffbruch angelegt und nur ein vorderes Rockteil zugeschnitten. Es gibt auch keine Wickelbänder sondern nur ein überienandergeschlagenes vorderes Oberteil mit einem elastischen Taillenband.

Ich habe nicht nur den kompletten Rock-Wickelteil weggelassen sondern auch die Ärmel verändert. Mir erscheinen diese im Originalschnitt viel zu eng. Selbst bei diesem elastischen Stoff wollte ich kein Risiko eingehen und habe die Ärmel lieber ein paar cm weiter zugeschnitten. Die Mehrweite habe ich dann an der oberen Armkugel angekräuselt. Ich finde den Puffärmeleffekt bei diesem Schnitt äusserst passend.
Auf diesem Foto kann man vlt den Puffeffekt ein bißchen erkennen, noch beser kann man aber sicher erkennen, wie das Kleid zu seinem Namen "das Unfotografierbare" kam, das Stoffmuster ist nämlich eigentlich ein wunderschönes Karo, aber der Fotoapparat mag es einfach nicht:

Da ich beim Jenna Cardigan von der angekräuselten Schulterpartie zwar generell begeistert, in der Realität aber nicht wirklich überzeugt war, habe ich diesmal auch eine gewisse Skepsis walten lassen. Und viel Heften, um die Kräuselung etwas weiter nach innen zu verlagern...Unglaublich, wie viele Anproben mich dieses Jerseykleid gekostet hat. Zum Glück ist es schon Frühling und ich musste mich dazu nicht jedesmal komplett ausplünnen...

Da ich wickeltechnisch nichts richten oder hinwurschteln kann, habe ich auch das (zusätzlich mit einem super Elastikjerseyrest gedoppelten) Taillenband genau an der richtigen Stelle einbauen müssen. Dafür musste ich am Oberteil vorne mittig über 2cm an Länge wegnehmen.
Der Stoff ist ein fehlerhafter Viscosejersey. Mit einem herlichen 50-er Küchengardinencharme. Oder Küchenschürzencharme?...Ich habe ihn auf dem Maybachufermarkt vor langer Zeit mal geschenkt bekommen, da er viele Druckfehler enthielt. Für diesen Schnitt, bei dem nur die Rockteile aus zusammenhängend 1A Druckstoff zugeschnitten werden mussten, passte der fehlerhafte Stoff beim Zuschnitttetris sehr gut.
Die vielen Schnittteile liessen sich wirklich sehr gut zwischen den Druckfehlern arrangieren.
Nina von Kleidermanie lädt uns auf dem MMM-Blog zur heutigen Linkparty ein, auch sie hat viele Passformanpassungen an ihrem herrlichen Kleid vornehmen müssen....was mich immer mal wieder zu der Frage bringt, wie oft man ein Kleid anprobieren muss, bis es sitzt....

Mittwoch, 8. April 2015

MMM 10/2015: Frühlingserwachen im Frühlingsrock

Das mit den blauen Frühlingsbändern, träumenden Veilchen und sprossenden Knospen vertrödelt sich dieses Jahr mal wieder ganz schön....
Aber auch ohne fertige Frühlingsjacke  ist immerhin der textile Frühling schon bei mir eingezogen. Mit einem neuen Frühlingsrock nach onion 3033 aus afrikanischem Waxprint. Bedruckt mit lustigen, gutgelaunten Viridiflora-Narzissen. Oder sind es doch eher Tulpen?

Dieser Waxprint war ein Teil meiner Beute aus einer aufregenden Monster-Sammelbestellung einer Stoffverarmungsphobikerinnen-Selbsthilfegruppe im letzten Sommer. Und wegen des frühlingshaften Motivs musste er bis jetzt brav auf seine Verarbeitung warten- obwohl er beständig ganz oben auf Stoffstapeln lagern durfte.

Der Stoff ist auch nach dem ersten Waschen noch immer ein bißchen steif und wachsig. Das passt aber zu dem Schnitt ganz gut, denn durch den Stand stehen die tiefen Falten unten etwas ab.
Dieses Mal habe ich beim Nähen musterbedingt zuallererst den Saum umgenäht und dann sorgfältig die Rocklänge am oberen Teil zur Passe hin festgelegt. Ärgerlicherweise sieht der Rock auf den Fotos trotzdem zu lang aus. Meine Tochter, die die Fotos geschossen hat, meinte dass der Rock in echt aber echt nicht zu lang sei. Ich vertraue ihr jetzt einfach mal. Ein Indiz ihrer ehrlichen Kritik ist auch ihre Einschätzung, dass der Rock eh nichts für mich sei, weil er für mich nämlich einfach viel zu bunt ist...  

Ich dagegen finde ihn erstaunlicherweise keinesfalls zu bunt. Mein neues blaues Oberteil passt ebenso dazu, wie auch meine erbsengrüne Hortencia aus dem letzten Frühling (Anleitung von Andi Satterlund). Jersey für ein simples dunkelblaues Shirt habe ich gestern vorsichtshalber auch noch gekauft geufert.
 
Heute begrüßt uns Monika von Wollixundstoffix als Gastgeberin auf dem MMM-Blog mit einer Schubkarre voll leichter Frühlings- und Sommerstoffe . Verständlicherweise kriegt da auch der Hund Frühlingsgefühle.
Und ihr alle? Auch schon gerüstet, wenn er jetzt plötzlich kommen sollte, der Frühling? Wie immer hier nachzusehen......

Sonntag, 5. April 2015

FJKA2015: Finale oder Die Entdeckung der Unzulänglichkeit*

Ein Drehbuch, wie es nur das echte Leben schreiben kann.
In dieser rührenden Geschichte von schuldloser Verstrickung, vom Scheitern und Irren auf der Suche nach dem perfekten Frühlimngsjäckchen geht es um die Erkundung und Überwindung der eigenen Grenzen, des Perfektionismusses und der Geduld.

Was zunächst wie ein harmloses Märchen anfängt, zwei junge Frauen beschliessen, sich öffentlich und publikumswirksam ein Frühlingsjäckchen zu stricken, steigert sich durch aktive Einbeziehung des Publikums zu einem Rennen gegen die Zeit. Zu einem Selbstfindunstrip, auf den der Zuschauer ganz gezielt eingeladen wird.


Der Plot überzeugt durch einen geschickt aufgebauten Spannungsbogen. Während die eine Protagonistin am Anfang zunächst durch höhere Gewalt ausgebremst wird und sich mühevoll wieder aufrappeln muss, gelingt es der zweiten Protagonistin (also mir!) scheinbar mühelos, alle Hürden zu überwinden bis sie am Ende genau durch diese Mühelosigkeit zu Fall gebracht wird. So lustig kann Gerechtigkeit sein.
Diese pfiffige dramaturgische Konstellation lässt die beiden Protagonistinnen sympathisch und menschlich erscheinen. Die Verstrickungen der beiden sind eine wunderbare Metapher für den Aufwand, den es braucht, um scheinbare Strickleichtigkeit zu suggerieren..



Die Geschichte selbst wird in einzelnen Episoden erzählt. (1, 2, 3, 4) bis hin zum verstörenden Ende. In Zeitsprüngen wird von Maschenproblemen, Passformschwierigkeiten und sonstigen Befindlichkeiten erzählt. Hoffnung keimt nach Niedergeschlagenheit, Solidarität erwächst.
Es passiert kaum etwas, was Strickende nicht sowieso kennen. Aber zugleich ist da etwas, was die Konventionalität der Geschichte aufbricht. Durch die Änderungen im Hamdlungsstrang, durch die scharfe Trennung von Charakteren und Dingen, entsteht inmitten des Alten pünktlich zum Osterfest etwas Neues.
Trotz des erhobenen Zeigefingers gibt es am Ende weder Gewinner noch Verlierer, sondern Teilnehmerurkunden für alle wechselnde Hitzegrade eines gemeinsamen Gefühls von Wollbegeisterung. Das Erregungspotential des Publikums wird ausgeschöpft und immer wieder an den Punkt geführt, an dem nicht mehr klar ist, ob man nun besser lachen, weinen oder laut schreien soll. Oder doch den Feuerlöscher holen und die eine oder andere Figur der Gurkentruppe aus dem Bild pusten?
Den Versuch, die eigene Unzulänglichkeit zu vertuschen, wird der Zuschauer leicht durchschauen, zu offensichtlich sind die künstlerischen Mittel der Online-Bildbearbeitung gewählt worden.



Die stärksten Momente hat dieser interaktive Selbstfindungstrip, wenn klar wird, dass es manchmal ein Versagen der Protagonistinnen braucht, damit das Verfahrene am Vertrauten, das Überhebliche am Routinierten durchschüttelt wird, bis es wieder funkt. Oder auch nicht.... Hauptsache den Mitstrickerinnen blieb ein Scheitern erspart.

Es bleibt weiterhin spannend.! Seien Sie also wieder dabei, wenn dieses großartige Mitmachkino am Sonntag den 7.6. noch einmal seine Pforten öffnet für den erlösenden Epilog "Finale der Herzen" genannt. Wir sehen uns....

Heute gibt es ein hoffentlich umfangreiches Happy-end auf dem MeMadeMittwoch-Blog mit -noch hoffentlicher- zahlreichen strahleden Finalistinnen.



*Lange Rede, kurzer Sinn: Mein Jäckchen hat sich seit dem letzten Treffens kaum weiterentwickelt, der Kragen bekam noch ein paar Reihen spendiert. Und aus dem zweiten Armloch habe ich Maschen aufgenommen. Ansonsten nüscht.....

Mittwoch, 1. April 2015

MMM 9/2015: Das nachträglich gef*kte Wickelkleid

Der allgemeine Wickelkleidhype geht natürlich auch an mir nicht spurlos vorüber. Aber statt mir nun eins der aktuell durch die Blogs kursierenden Schnitte -den Schnitt Gillian habe ich sogar schon zusammengeklebt- neu zu nähen, war ich ungewöhnlich streng zu mir. Und habe mich knallhart gezwungen, mich zuerst noch einmal mit einem bereits seit über einem Jahr fertigen Wickelkleid auseinanderzusetzen.
Und herausgekommen ist dies:

Das Kleid ist nun nach einem trennenden Scherenschnitt zu einem Fakewickelkleid mit einem Taillenband geworden.
Ursprünglich war es ein echtes Wickelkleid mit Bändern und einem Loch für das Bindeband in der Seitennaht:
Archivbilder
 
Schnitt Onion 2037, inspiriert von Floh (ihre beiden überzeugenenden Versionen findet ihr hier)
Leider war das Kleid bei mir nicht nur ein hochgradig nerviges Zuppelkleid, das Bindeband rutschte und verknuschtelte sich außerdem ständig in der Bauchregion und sah dann einfach blöd aus:
Es war also unbedingt ein Refresh nötig, ansonsten hätte ich das Kleid nicht mehr angezogen.Was schade um den Stoff gewesen wäre, ein länger gehütetes Jerseyschnäppchen.
Ich habe also an dem Kleid oberhalb der Taille mithilfe eines Gürtels eine Trennlinie abgesteckt und das Kleid dort beherzt auseinandergeschnitten, einen gedoppelten Jerseystreifen auf Taillenweite gebracht und dort dazwischengesetzt. Abnäher oder andere Modifikationen habe ich nicht vorgenommen
Diese simple Methode verbesserte die Passform zwar nicht hochgradig, aber das Kleid ist nun viel, viel trageangenehmer geworden und ich fühle mich wahnsinnig wohl darin.

 Beim Wickelfaken wurden natürlich auch die Bindebänder überflüssig, ich überlege nun, diese wieder gefaked anzunähen. Streckt das optisch? Macht es das Kleid interessanter? Was denkt ihr?
Interessanterweise sieht der Saum immer ziemlich schief aus, ich vermute, dass das am Karomuster und an der weichfallenden Jerseyqualität liegt, denn der Saum wurde akkurat abgepüstert.
Und da mir bei dem Wetter da draußen zu kalt für ein Jerseykleid ist, trage ich im Haus meinen kuscheligen Strickmantel darüber.
Wie löst ihr das Frühlings-Winterwetter-Dilemma?  Wie habt ihr gestern dem Sturm getrotzt?
Karin lädt uns anlässlich ihrer Vorturnpremiere auf dem MMMblog heute alle ein, unsere Kleidungspatentlösungen zu zeigen. Und natürlich auch neue und alte Wickelkleider....

Dienstag, 31. März 2015

12 Tops Challenge: März

Auch diesen Monat habe ich mir wieder eine Jerseybluse genäht. Dazu hatte ich einen wunderschön blauen Flutschestoff aus dem Lager hervorgekramt. An blauen Oberteilen habe ich nämlich großen Mangel.
Diesen Stoff hatte ich eindeutig wegen der Farbe gekauft, die Qualität ist sehr wertig und edel schimmernd, fasst sich herrlich an, aber ist eben auch dünn und sehr flutschig....

Nach den ersten Erfahrungen mit dem Hemdblusenschnitt meiner letzten beiden Blusen war mir schnell klar, dass ich aus dieser dünnen Stoffqualität keine Hemdbluse nähen möchte und kann, Jede Absteppung war eine wirkliche Herausforderung.
Ich habe mich also dieses Mal gegen den burda Hemdblusenschnitt entschieden und stattdessen an dem Schnitt Onion 2045 (der lag deshalb gerade sowieso auf dem Tisch) eine Verschmalerung im Oberbrustbereich vorgenommen und das ganze als Shirt mit Hemdkragen (beidseitig mit dünner Bügeleinlage verstärkt) genäht.
Jetzt habe ich eine tolle neue Shirtbluse zum Reinschlüpfen, die sich unglaublich angenehm tragen lässt. Aber auf Fotos wegen des Glanzes ziemlich faltig rüberkommt.

Auf den Fotos kann man sehen, dass ich an den Seiten noch etwas Weite wegnehmen kann, wenn ich die Shirtbluse in Rockbünde stecken möchte.
Bei Constance von Santa Lucia Patterns versammeln sich ab heute wieder alle, die sich an der Märzausgabe der 12 Tops Challenge beteiligen.

Sonntag, 29. März 2015

FUSSA 15 Teil 2

Heute sind wir hoffentlich alle schon einen Schritt weiter gekommen, vom Schwelgen zum Planen eines Nähprojektes im Rahmen des FUSSA - Film und Serien Sew Along.
Die anderen Planungen -heute geht es um die Schnitt- und Stoffvorstellung- werden her bei Luzie gesammelt.

Meine Projektplanungen für das Halston-Lederkleid aus dem Fim American Hustle haben schon gute und konkrete Formen angenommen. Sowohl einen Schnitt als auch passenden Stoff habe ich.
Und sogar ein Probemodell habe ich schon genäht ud letzte Nacht im Dunkeln mit eingeklappten Reversecken ;(((  fotografiert....


Als Schnittgrundlage habe ich mir den Onion 2045 vorgenommen. Hier findet ihr eine genähte Version.

Ich habe das vordere Oberteil geändert, indem ich einen kleinen Reversansatz und das Knotenteil hinzugefügt habe

Ich finde es kommt dem Original schon recht nahe, lediglich der Kragen muss noch deutlich vergrössert werden:

Da ich kein echtes Leder verarbeiten will, hatte ich mich auf die Suche nach trageangenehmem Kunstleder gemacht, einschlägige Geschäfte besucht und mir Proben bei den üblichen verdächtigen Stoffversendern bestellt. Es gibt schöne Materialien, die sich von aussen ganz wunderbar weich anfassen. Aber leider auf der Innenseite dann doch eben nicht, was für ein langärmliges und eng anliegendes Kleid dann das Aussschlusskriterium war.
Frau Bunte Kleider versorgte mich mit einem Stück stretchigen, hochqualitativen schwarzen Stoffes in herrlich edler Glanzoptik, eine wirklich schöne Alternative.
Und wie es der Zufall so will, fand ich -überhaupt nicht mehr auf der Suche- gestern auf dem Maybachufermarkt in Begleitung von Floh genau DAS Kunstleder. Und das sogar zu unschlagbaren 5,-€/m.
links nasses Kunstleder, rechts die hochwertige Glanzstretchbaumwolle
Ich habe also gerade ein entspannendes und gelassen machendes Luxusproblem.... mal schauen, ob sich dieses dann beim Nähen immer noch so unbeschwert anfühlt...

Donnerstag, 26. März 2015

Der bollerige Bielefeldmantel

Es gibt da noch etwas, das ich euch noch unbedingt zeigen will. Seit ein paar Wochen ist mein Annäherungsprojekt fertig: der bollerige Bielefeldmantel
Es war eine lange, schwere Geburt. Und auch das Ergebnis überzeugt mich nicht so richtig.


Wie alles begann:
Als Projekt für die Annäherung in Bielefeld hatte ich mir einen grünen Mantel vorgestellt und diese Inspiration bei Dawanda entdeckt.
Quelle: daWanda
Das alte Schnittmusterheft war leider schon verkauft und ich konnte somit nicht herausfinden, wie dieser üppiggroße Kragen bei einem einreihigen Mantel konstruiert ist. Probenähversuche mit anderen Vintage-Schnittmustern scheiterten und dann blieb in der turbulenten Woche vor dem Nähwochenende keine Zeit mehr für weitere Experimente. In der letzten Nacht suchte ich zuhause schnell einen legeren Mantelgrundschnitt, den ich problemlos auf einreihig verkleinern konnte und schnitt nach Mitternacht immerhin noch den Wollstoff für den Korpus zu.
Schnitt 114 Burda 9/2011
Als Besonderheit hatte ich mir eine Klimamembran bestellt, um den Mantel so richtig schön wetterfest zu machen. Diese Membran habe ich zusammen mit dem Oberstoff als eine Lage verarbeitet.
Und das hat mich dann viele, viele Nerven gekostet. Die wasserabweisende Seite der Membran hat eine wunderbar glatte futterähnliche Oberfläche. Dagegen hat die atmungsaktive, also dem Körper zugewandte Seite eine gummiartige Schicht, welche sich nur mit einem Teflonfuss nähen lässt. Beim Zusammennähen von Teilen liegen nun solche Gummischichten sowohl oben als auch unten. Ich habe geflucht und viel Nählust verloren, als sich die untenliegenden Mantelteile nicht unter der Maschine durchschieben liessen. Auch das Seidenpapier, dass mir Bele zum Unterlegen gab, funktionierte nicht,. es blieb ein einziger Kampf. Hätte nicht Frau langes Fädchen mit ihrem gelben, fertig beschichteten Stoff das gleiche Problem mit dem Stofftransport, ich hätte aufgegeben.
So quälte ich mich vor mich hin und ergriff willig jede Möglichkeit der Abwechslung, was bei so einer flauschigen Veranstaltung natürlich problemlos möglich ist.
Das Futter schnitt ich draußen auf dem Gang zu, da lernte ich gleich sogar noch Teilnehmer einer anderen Veranstaltung kennen. Jaha, ich konnte und kann mich vor lästigen Aufgaben schon immer sehr erfolgreich drücken.
Ich habe dem Mantel nicht nur Pattentaschen und Paspelknopflöcher geschenkt, sondern mit Memas hilfreicher Unterstützung vor dem Spiegel auch einen tollen Kragen entworfen.

Überhaupt war es eines der Wochenendhighlights neben Mema stehend all ihre Absteck- und Passformtipps aufzusaugen. Unglaublich lehr- und erkenntinsreich!

Mit meiner müde-lustlosen Nähhaltung habe ich den Mantel an dem Wochenende natürlich nicht fertig genäht bekommen. Aber immerhin konnte ich ihn gut ausgebügelt mit nach Hause nehmen.
Dort habe ich dann die Restarbeiten gleich lustlos erledigt und am Saum einen Streifen Wollstoff zum Verstürzen angefügt. Mein nächtlicher Bielefeld(alp)traum hat sich nämlich tatsächlich bewahrheitet: Der Mantel war etwas zu kurz.
Saumblende, darunter mitgefasste Klimamembran, Futter später von Hand an der Saumblende befestigt
Dann alles nochmal kurz ausgebügelt und die Membran endgültig total verflucht: Am Saum bildete sich nun aus heiterem Himmel eine riesengroße Beule. Offenbar hat sich der Wollstoff beim Bügeln und Aushängen(?) ganz anders entwickelt als diese Membran.
Ich trennte den Saum also wieder auf und war nahe dran, die ganze Membran komplett aus dem Mantel rauszuschneiden, entschied mich aber erstmal für eine gemäßigte Abschneidevariante:
Die um 30cm gekürzte Membran hängt nun nach unten frei zwischen Aussenstoff und Futter, welches ich von Hand wieder an der Saumblende angenäht habe. Diese Lösung fúnktioniert. In der Länge bollert der Mantel nicht mehr. Nur in der Breite noch....

Nach dem ersten Tragen kam dann noch der nächste Schreck, einer der 5 tollen Vintage-Knöpfe brach am Steg aus. Da ich keinen Ersatzknopf hatte und auch keinen mehr nachkaufen konnte, habe ich versucht, den Steg mit Sekundenkleber und Gaffaband zu flicken. Bis jetzt hat das gehalten, aber eine vertrauenswürdigere Lösung wäre mir lieber gewesen.

Nun ist der Mantel also im Einsatz und ich kann bei dem kalten Wind derzeit trotzdem schon prima Jerseykleider tragen ohne zu frieren.

Dramafutter ist immer gut!
Fazit:
Die Klimamembran hat mich viele Nerven und Zeit gekostet und ich war sehr gespannt, ob sich all der Nerv und die Mühe gelohnt haben. Der Mantel ist an sich ziemlich warm und wirklich absolut winddicht. Die leichten Regentropfen, denen er bisher ausgesetzt war, wurden schon vom Wollstoff abgefangen. Ich kann also zur Wasserfestigkeit nichts sagen.
Allerdings habe ich als Denkfehler einen viel zu großen Ausschnitt eingebaut, der ohne Schal viel zu viel kalte Luft reinlassen würde. Auch die relativ weiten Ärmel passen inhaltlich nicht so richtig zu der eingebauten Wetterdichtigkeit.
Die Membran knistert merkwürdig und hört sich beim Anziehen unangenehm an. Das scheint sich jetzt nach häufigem Tragen ein bißchen zu geben, aber völlig weg wird dieses Plastiktütenambiente wohl nicht gehen. 
Durch die Membran und die Probleme beim Stofftransport habe ich nur ganz verhalten Passformänderungen vorgenommen. Wäre dieses ein reiner Wollmantel, hätte ich da ganz sicher noch einige -teils nur kleine und unaufwändige- Modifizierungen vorgenommen. Und er wäre dann auch nicht so bollerig!